Waaghausticker

So schön, schön war die Zeit:

Das Stadtparlament hat am Dienstag zum letzten Mal in der alten Besetzung getagt. Und es liess die Dernière gemächlich angehen: Der im Januar turnusgemäss aus seiner Funktion scheidende Ratspräsident Heini Seger (SVP) – er hat in den vergangenen Monaten spürbar Freude am Amt gefunden – begrüsste eine ganze Reihe von langgedienten Mitgliedern zu deren Abschiedsvorstellung. Zu den prominentesten Abgängen zählen zweifellos Stadträtin Patrizia Adam (CVP) und ihre designierte Nachfolgerin sowie formal Noch-Parlamentarierin Maria Pappa (SP). Wir sind schon heute auf die Begrüssung der Neo-Stadträtin im Januar gespannt.

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Grosses Finale:

Die erste Sitzung des Stadtparlaments im Advent war gleich auch die letzte ordentliche. Denn das letzte Aufgebot des Jahres, das heuer auf den 13. Dezember angesetzt ist, befasst sich praktisch ausschliesslich mit dem Budget des Folgejahres. So ging es gestern darum, die Traktandenliste so weit wie irgendwie möglich abzuarbeiten. Andernfalls hätte den Parlamentarierinnen und Parlamentariern ein Nachsitzen in Form einer Aufräumsitzung gedroht. Um es vorweg zu nehmen: Der Rat arbeitete angesichts dieser wenig verheissungsvollen Perspektive gestern Abend ausgesprochen speditiv…

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Im Rahmen der Parlamentssitzung vom 2. November standen lediglich fünf Traktanden zur Behandlung an. Deren drei möchten wir an dieser Stelle speziell erwähnen.

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Berufs-Bedenkenträger:

Bevor sich das Stadtparlament wie immer vor der Sommerpause über die Rechnung des Vorjahres beugte, hatte es sich mit einem wesentlichen Pfeiler unserer Stadtgeschichte zu befassen, nämlich der Reformation. Das ist in einer Stadt wie St.Gallen nach wie vor potenziell ein heisses Eisen, da der Kulturkampf hier vor nicht allzu langer Zeit noch heftig wütete. Der Stadtrat unterbreitete dem Parlament einen Verpflichtungskredit von 700‘000 Franken, um verschiedene Projekte rund um das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation umzusetzen. Immerhin trägt St.Gallen seit Januar 2015 das Label „Reformationsstadt Europas“ und gehört damit zu den europaweit 50 derart „gelabelten“ Städten; in der Schweiz  sind es deren zehn. St.Gallen spielte in der Ostschweiz im Zuge der Reformation eine tragende Rolle; Joachim von Watt (Vadian) und Johannes Kessler setzten sich intensiv mit den Lehren Luthers auseinander. Ein Anlass, innezuhalten, diese spezielle Geschichte zu studieren und daraus auch Erkenntnisse für die Gegenwart abzuleiten. Nun, im Stadtparlament bewegten sich die „Frontlinien“ nicht – wie man dies unreflektiert vielleicht hätte erwarten müssen – entlang der tradierten konfessionellen Grenzen, sondern zwischen CVP und FDP auf der einen und dem linksgrünen Lager inklusive Teilen der SVP (!) auf der andern Seite. Da waren sie also wieder, die ewigen Bedenkenträger. Jene Spezies, die in unseren Breitengraden recht zahlreich verbreitet ist und liberale Geister oft den Kopf schütteln lässt. Was sei denn Anlass zu feiern, wo bleibe der Bezug zur katholischen Kirche, wo bleibe die kritische Auseinandersetzung mit der Religion, und wo die Aktualität? Diese und viele weitere Einwände seitens SP wurden dann von der SVP angereichert mit dem ultimativen Kostenargument, indem die budgetierten Reserven von 120‘000 Franken als völlig überrissen dargestellt wurden. Das Thema der Reformation weckt jedenfalls heute noch Emotionen, wenn auch auf unerwarteter Seite. FDP-Vertreterin und Stadtführerin Jennifer Deuel legte ihrerseits engagiert dar, dass gerade Vadian eine wirklich herausragende und interessante Persönlichkeit war, die wider den Aberglauben angetreten sei und z.B. auch jegliche Hexenverbrennung untersagt habe. Und sie zitierte den sozialistischen deutschen Politiker und Publizisten August Bebel (1840 -1913): „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Trotz eines ebenfalls sehr engagierten Votums des Stadtpräsidenten liessen sich die Bedenkenträger(innen) kaum von ihrer „heiligen“ Mission abbringen; sie blieben letztlich aber ohne Erfolg. Das Parlament genehmigte –  wenn auch denkbar knapp – den Kredit, und das ohne Kürzungen. Nur am Rande sei erwähnt, dass der Kulturkampf zumindest bei einem Teil unserer Bevölkerung offensichtlich und glücklicherweise überwunden ist. Denn: Die Kommunikationsagentur, die das Reformationsjubiläum 2017/18 betreuen soll, ist bekannterweise im CVP-Milieu angesiedelt. Ausgerechnet!

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Von besonderen Orten in dieser Stadt…:

Das Stadtparlament hat – gewissermassen als Vorbote für die Behandlung des Postulats „Pfalz der Politik“ aus unseren Reihen in der „Pfalz“ getagt, also dort, wo sonst der Kantonsrat seine wegweisenden Debatten führt. Schon vor einigen Jahren gab es – damals im Zusammenhang mit der Behandlung des Richtplans der Stadt St.Gallen – eine quasi „ausgelagerte“ Sitzung in diesem überaus würdigen Saal. Dieser geschichtsträchtige Ort strahlt viel Erhabenheit aus und hätte – dies die persönliche Ansicht des Schreibenden – gegenüber dem altbackenen Waaghaus als Tagungsort durchaus seine Vorzüge: mehr Platz, eine moderne Abstimmungsanlage, eine „kommunikativere“ Sitzordnung im Halbrund, und einiges mehr. Die Vor- und Nachteile der Pfalz als dauernder Sitzungsort für das Stadtparlament sollen in der anstehenden Aufräumsitzung Ende Juni zur Sprache kommen, wenn das erwähnte Postulat beantwortet wird. Unmittelbarer Anlass für das gestrige Asyl im Regierungsgebäude war „New Orleans meets St.Gallen“: das ebenfalls schon traditionelle Jazz-Fest in der Altstadt ist naturgemäss mit Immissionen verbunden – ein Wort, das im Zusammenhang mit Musik wohl deplatziert wirkt. Sagen wir es neutraler: die jazzigen Rhythmen hätten uns wohl zu stark abgelenkt…, und die Festspiele auf dem Klosterplatz harren ja noch der Eröffnung, kein Hindernis für uns also, wieder einmal im ehrwürdigen Saal am schönsten Platz der Stadt zu tagen.

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