Marcel Rotach, FDP Stadtparlamentarier und Leiter Notrufzentrale zu Gast beim Morgenstamm der FDP Stadt St.Gallen
Marcel Rotach, FDP Stadtparlamentarier und Leiter Kantonale Notrufzentrale, hielt im Rahmen des FDP-Morgenstamms in der DenkBar einen interessanten Vortrag über die Notrufzentrale mit Blick hinter die Kulissen und einen Ausblick auf den bevorstehenden Umzug.
Schnittstelle aller Blaulichtorganisationen
In der Kantonalen Notrufzentrale arbeiten rund 38 Mitarbeitende der Kantonspolizei St.Gallen und 16 der Rettung St.Gallen. Hier laufen die Notrufnummern 117 (Polizei), 118 (Feuerwehr), 144 (Sanität) und 112 (Internationaler Notruf) zusammen. Gemeinsam sorgen sie für eine rasche, koordinierte Hilfeleistung aller Blaulichtorganisationen im Kanton St.Gallen. Den Sanitätsnotruf 144 bearbeiten sie auch für die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Innerrhoden und Glarus.
Moderne Leitsysteme und Kommunikationsmittel wie Navigationshilfen, verschlüsselter Funk und satellitengestützte Alarmsender unterstützen sie dabei. Zudem sind rund 2'000 Überfall-, Einbruch- und Brandmeldeanlagen sowie über 400 Notrufsäulen der Nationalstrassen direkt im System aufgeschaltet.
Marcel Rotach erläuterte die komplexe Struktur: In der Einsatzzentrale sind technische, kommunikative und menschliche Fähigkeiten gleichermassen gefragt. Es geht nicht nur darum, Notrufe anzunehmen, sondern Informationen blitzschnell einzuordnen und passende Massnahmen einzuleiten. Die Mitarbeitenden müssen in Sekunden erkennen, ob es sich um eine medizinische, sicherheitsrelevante oder andere Notlage handelt – und entsprechend reagieren.
Eindrücklich ist nicht nur die Arbeitsweise, sondern auch die architektonische Gestaltung der Zentrale am Klosterhof 12: Das von Santiago Calatrava 1999 erbaute Gebäude ist in Form eines Auges angelegt – Symbol für das «wachsame Auge» der öffentlichen Sicherheit. Diese Symbolik unterstreicht den Anspruch an ständige Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft.
Technik mit Verfalldatum
Marcel Rotach ging auch auf die technischen Herausforderungen ein: Die Systeme müssen in regelmässigen Abständen, etwa alle zehn bis zwölf Jahre, ersetzt werden. Danach gilt die Technik als überholt und entspricht nicht mehr den sicherheitsrelevanten Anforderungen. Ein solches System-Upgrade ist aufwendig, da es nicht nur neue Technik, sondern häufig auch umfassende Schulungen des Personals erfordert.
Zukunft: Umzug geplant
Künftig wird die kantonale Notrufzentrale unter dem neuen Namen Notruf- und Einsatzleitzentrale (NEZ) geführt. Ein ursprünglich geplanter Umzug in den Westen der Stadt St.Gallen/Winkeln, wurde zurückgestellt, nachdem das Projekt des Umzugs in ein «Verwaltungszentrum», aus finanziellen Gründen, vorerst nicht weiterverfolgt wurde. Stattdessen hat der Kantonsrat am 19.04.2022, einen Sonderkredit für eine Übergangslösung, am Standort Lerchenfeld, beschlossen. Damit wird sichergestellt, dass der Betrieb der NEZ technisch und räumlich auch in den kommenden Jahren gewährleistet bleibt.